Als kleiner Junge erkundete ich die Umgebung meiner Heimatstadt auf einem Ketcar. Später machte ich mit meinem Vater Radtouren durch die Schweiz und Frankreich; hier wurde ein Sinn für das Abenteuer in mir geweckt, wobei ich darunter das verstehe, was früher einmal „Abenteuer“ war: Risiko, Entdeckungen, unbekannte Situationen, Sprachen, Gegenstände und Menschen.

 

Manche Leute meinen, es gäbe heute nichts mehr zu entdecken oder zu wagen. Das mag bis zu einem gewissen Grad stimmen, denn niemand wird heutzutags erfahren, wie es gewesen sein muss, mit einer Karavelle den unbekannten Ozean zu erforschen. Die wachsende Erdbevölkerung drängt langsam aber unaufhaltsam auch in die hintersten Winkel der Erde, und clevere Geschäftsleute in rosa Hemden veräußern ganze Landschaften zu ihrem persönlichen Vorteil.

 

Gleichzeitig scheint etwas zu geschehen, das der allgemeinen Sicht der Dinge entgegen läuft. Denn je mehr wir wissen, und je einfacher das Wissen für jeden Menschen zugänglich ist, desto weiter breiten sich die weißen Flecken auf unserer inneren Landkarte aus. Wir verstehen heute über den Menschen ganz offensichtlich weniger als ein Bewohner des Amazonas-Regenwaldes im 14. Jahrhundert.

 

Andererseits gibt es auch heute noch abenteuerliche Dinge zu tun, lediglich die Form hat sich etwas geändert; man gehe mit nichts als einer Plastiktüte, darin eine Unterhose zum Wechseln sowie eine Zahnbürste, nach Afrika und schaue, was passiert. Jedenfalls glaube ich: wer handelt, spielt immer in einer anderen Liga als jemand, der nur redet.

 

Michael Schröder