S’eshte lavazh – Not a Carwash
Geschrieben vor 7 Monaten Filmbesprechungen
Regisseur:
Gentian Koçi
Erscheinungsjahr:
2012
Hauptdarsteller:
Blerina Hankollari, Cris Dupont, Thomas Logoreci
Genre:
Dokumentation
Laufzeit:
48 Min.
IMDB:
Trailer:

S’eshte lavazh – Not a Carwash

Dieser Dokumentarfilm aus Albanien hat alles: eine Gruppe von Filmstudenten, angeführt von ihrem Direktor, die sich gegen eine korrupte und gleichgültige Staatsmacht stellen, einen alkoholisierten Studioboss, der sich kleidet wie ein Politiker beim Bordellbesuch und die Durchsetzung der staatlichen Willkür an vorderster Front überwacht, übermotiviert trampelnde Bauarbeiter, die vor unseren Augen Kinoleinwände einreißen und Kunstobjekte vom Schulgelände zerren, weinende Menschen, Resignation ins Schicksal und peinlich berührte Staatsdiener in Uniform.

„Du riechst nach Alkohol.“

Eine Filmschule, die auf einem vom Staat beanspruchten Stück Land errichtet wurde, soll abgerissen werden, um Platz zu schaffen für einen geplanten Medienkomplex. Kujtim Çashku, der Direktor der Schule, stellt sich der aufmarschierten Polizeibrigade in den Weg, um ein Eindringen auf das Schulgelände zu verhindern. Über die rechtliche Situation wird man nie genau informiert, doch wenn man dem schurkischen Studioboss bei einem tölpischen Fernsehinterview betrachtet, während sich der eloquente Schuldirektor mutig in die Bresche wirft, um völlig alleine gelassen seine Studenten und die Freiheit seiner Schule zu beschützen, sind die Sympathien klar verteilt. Bizarrerweise ist Fatmir Musaj, der Direktor von Albafilm und Antagonist von Kujtim Çashku, selbst von Beruf Maler, und so können wir einem Künstler beiwohnen, der die Schließung einer Filmhochschule anordnet und überwacht.

Als die hölzernen Planken der Filmbühne zersplittern, wird man unwillkürlich an das Krachen von fallenden Urwaldbäumen erinnert und an Bulldozer, die eine Schneise der Zerstörung hinterlassen.

Zwei Dinge habe ich gelernt: dass erstens den meisten Menschen Kunst und Film kaum egaler sein könnten. Der Eifer, mit dem die Arbeiter ihr Zerstörungswerk angehen, kommt vermutlich von einer versprochenen Extraprämie, die für sie allemal wichtiger ist als ein Bergman oder Al Pacino. Als die Studenten Unterstützer mobilisieren wollen, taucht keine Seele auf. Niemand braucht Kunst, und niemand braucht Film, außer der kleinen verlorenen Gruppe von Studenten und Professoren.

Zweitens wurde mir klar, wie sehr ein Land wie Albanien auf eine solche Gruppe von entschlossenen jungen Künstlern angewiesen ist, um nicht vollständig in einem Sumpf von Willkür, Abgestumpftheit und Korruption zu versinken.

Und vielleicht nicht nur Albanien?

Bewertung:

Bewertung: 7

Michael

Michael mag Filme, Abenteuer und so weiter. Er schreibt im Blog seine Meinung zu alten und neuen Filmen. Er interessiert sich auch fürs Filmemachen und hat ein Projekt in Vorbereitung: Die Anbetung des Affen

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