‚I Hired a Contract Killer‘ ist finnische Lebensbejahung
Geschrieben vor 1 Jahr Filmbesprechungen
Regisseur:
Aki Kaurismäki
Erscheinungsjahr:
1990
Hauptdarsteller:
Jean-Pierre Léaud, Kenneth Colley, Margi Clarke
Genre:
Drama, Komödie, LIebesfilm
Laufzeit:
79 Min.
IMDB:
Trailer:

‚I Hired a Contract Killer‘ ist finnische Lebensbejahung

Die Prämisse des Films ist skurril: ein einfacher Angestellter verliert seinen Job, und da er nichts hat, wofür es sich zu leben lohnt, entschließt er sich umzubringen. Aber seine unbeholfenen Anschläge auf das eigene Leben misslingen. Immer noch entschlossen, der Sache eine Ende zu bereiten, setzt er einen Auftragsmörder an – auf sich selbst.

Da es ihm in seiner Wohnung während der Wartezeit auf den Killer langweilig wird, geht er in eine Bar auf der anderen Straßenseite. Dort gibt er sich zum ersten Mal dem Genuss von Hochprozentigem und einer Schachtel Zigaretten hin. Als ob dies die kurze Spanne seines verbleibenden Lebens nicht schon genug aufwühlen würde, trifft er in der Kneipe auch auf eine Blumenverkäufern mit blutroten Lippen. Resolut fordert er sie auf, neben ihm Platz zu nehmen, und verliebt sich dabei Hals über Kopf. Auf einmal ist das Leben gar nicht mehr so verachtenswert – was nun? Der Auftragsmörder ist ihm immer noch auf den Fersen…

Kaurismäki nimmt diese Geschichte zum Anlass, um sein filmisches Universum auferstehen zu lassen: Menschen stehen am Tresen und heben bedächtig ein Glas Bier, andere sitzen vor abgenutzten Tapeten und rauchen eine Zigarette. All diese stillen Momente sind wie bedächtige Studien menschlicher Randexistenzen, die durch den roten Faden der Handlung miteinander verbunden werden. Die Aufmerksamkeit liegt beim Protagonisten, dem ehemaligen Angestellten Henri Boulanger. Mit unbewegtem Gesichtsausdruck und lakonischem Dialog durchläuft er die Metamorphose seiner Existenz, sein endlich erwachter Lebenshunger äußert sich sehr subtil. Als er in der Kneipe einem unbekannten Gitarristen (Joe Strummer) zuhört, nimmt er einen tiefen, gierigen Schluck aus dem Glas. Nach allem, was wir wissen, entspricht dies in etwa der spontanen Äußerung von finnischer Lebensfreude. Wenn man genau hinschaut und hinhört, ist diese extrem zurückhaltende Art, die Genüsse des Alltags zu feiern, aber nicht weniger kraftvoll. Kaurismäki benötigt keine lauten Effekte oder tränenreiche Szenen, um uns zu überzeugen. Er verzichtet sogar größtenteils auf Dialoge und erzählt das Geschehen nur durch Bilder und die starke, wenn auch sparsame Schauspielkunst seiner Hauptdarsteller. Die Beleuchtung der Szenen ist meist düster und sehr kontrastreich und gibt dem Film durchwegs einen eigenen visuellen Charakter. I Hired a Contract Killer ist wie ein langsam glimmendes Feuer, an dem man sich noch wärmen kann, wenn das große Feuerwerk schon abgebrannt ist.

Bewertung:

Bewertung: 8
Michael

Michael mag Filme, Abenteuer und surreale Kunst. Er schreibt im Blog seine Meinung zu alten und neuen Filmen. Er interessiert sich auch für’s Filmemachen und hat ein Projekt in Vorbereitung: Die Anbetung des Affen

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