Die mysteriöse Welt von Séverine: ‚Belle de Jour‘
Geschrieben vor 1 Jahr Filmbesprechungen
Regisseur:
Luiz Buñuel
Erscheinungsjahr:
1967
Hauptdarsteller:
Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli
Genre:
Drama
Laufzeit:
101 Min.
IMDB:
Trailer:

Diese Besprechung beschreibt Teile der Handlung!

Die mysteriöse Welt von Séverine: ‚Belle de Jour‘

Belle de Jour spielt wie so viele andere Filme von Buñuel in den Kreisen der französischen Bourgeoisie. Offenbar hatte es ihm diese Bevölkerungsschicht besonders angetan, weil sie in ihren alltäglichen Beschäftigungen oft besonders absurd erscheinen. Schließlich haben sie genug Geld, um den meisten realen Zwängen entkommen zu sein, sind aber gleichzeitig nicht einflussreich genug, um wirklich wichtige Ereignisse mitzubestimmen. Stattdessen kümmern sich diese Menschen um ihre Karriere, verbringen die Tage in ihren teuren Wohnungen im sechzehnten Arrondissement und mit irgendwelchen Vergnügungen, die das Gefühl von Langeweile und Inhaltslosigkeit vertreiben sollen.

Ein solches Gefühl scheint es zu sein, das die gutbürgerliche Ehefrau Séverine in Tagträumen erotischer Art versinken lässt. Als Gattin eines emporstrebenden jungen Karrierearztes hat sie nicht viel mehr zu tun, als gut auszusehen. Gleichzeitig gibt sie sich ihrem Gatten gegenüber sexuell völlig unnahbar, die beiden haben trotz der bestehenden Ehe noch nicht miteinander geschlafen. Catherine Deneuve ist wirklich ein zartes Pflänzchen, und die kühl distanzierte Art, mit der sie die Rolle interpretiert, regt nicht nur ihren Ehemann auf, sondern auch die Freier des Bordells, in dem sie aus einer Art Ennui anheuert. Vielleicht glaubt sie, ihre masochistischen Phantasien dort erfüllen zu können, was mit ihrem soliden Ehepartner nicht möglich scheint.

 

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Diese manchmal recht komische Studie von den Zwängen und Neurosen einer ganzen Gesellschaftsschicht wird unterbrochen von kurzen, unwirklich scheinenden Einblendungen, die Séverines Traumwelt entspringen. Es scheint, als ob Buñuel damit erneut alles unterwandern will, was der Buregoisie gut und heilig ist, also vor allem den schönen Schein der Anständigkeit und Solidität, der mit so viel Aufwand und Energie aufrecht erhalten wird.

 

Actress Catherine Deneuve as Severine Serizy and Genevieve Page as Madame Anais in the 1967 film Belle de jour. (Photo by ?? John Springer Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images)

 

Buñuel verzichtet mehr oder weniger auf eine sich stetig entwickelnde Handlung, scheint mehr Interesse zu haben an den zum Teil surrealen sexuellen Interessen der meist elitären Puffbesucher. Séverines Laszivität jedenfalls hat fatale Auswirkungen: einer ihrer Freier, ganz um den Verstand gebracht von ihrer unnahbaren Schönheit, schießt ihren Ehemann aus Eifersucht nieder. Dieser ist vortan ein Krüppel, der die krassen Phantasien seiner Gattin noch weniger erfüllen kann als vorher. Der Film endet mit einer nach wie vor gelangweilten Séverine, die angesichts ihres ausgeschalteten Gatten keine Wahl zu haben scheint, als nur umso tiefer in ihren Tagträumen zu versinken, untermalt von seltsamen, hell klingenden Glöckchen und dem Miauze unsichtbarer Kätzchen.

Bewertung:

Bewertung: 8
Michael
Michael mag Filme, Abenteuer und surreale Kunst. Er schreibt im Blog seine Meinung zu alten und neuen Filmen. Er interessiert sich auch für's Filmemachen und hat ein Projekt in Vorbereitung: Die Anbetung des Affen

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